Deutsch Deutsch

„Du setzt den Helm auf und die Welt um dich herum verschwindet“

Es geht wieder los! Das tankpool24-Racing Team nimmt wieder Fahrt auf und hat sich in den ersten Testrennen schon gut positioniert.

Ein Interview mit RaceTruck-Fahrer Steffen Faas.

Steffen Faas sitzt im tankpool24-Hoodie in der Familienwerkstatt und trägt wie gewohnt ein Lachen im Gesicht - Sympathisch.

Wie waren die Testrennen?

Wir waren letzte Woche in Zweibrücken auf dem Flugplatz, um Motortests zu machen und die aktuelle Applikation von den neuen Komponenten, wie z. B. HVO (Hydrotreated Vegetable Oils) zu testen. Unter anderem haben wir auch einen neuen Turbolader getestet und das Steuergerät komplett neu eingestellt, damit wir jetzt ins Rennen starten können. Wir haben über den Winter den Motor komplett revidiert und ein paar Veränderungen einfließen lassen. Das wollen wir jetzt erstmal ausgiebig testen, damit wir wissen, dass es beim ersten Rennen funktioniert und wir dann nicht nach kleinen Fehlern suchen müssen.

Ist es gut gelaufen? Haben Sie ein positives Gefühl für die Rennen?

Wir hatten einen sehr positiven Test und eigentlich keine unvorhersehbaren Probleme. Wir konnten das Testprogramm voll abrufen und mit einem sehr positiven Blick in die ersten Rennrunden gehen, weil der Motor sehr gut läuft. Motor und Turbolader zusammen ergeben eine gute Einheit. Ansonsten haben wir einfach trainiert und geguckt wie das Team dieses Jahr zusammenpasst und einmal das ganze Programm durchgespielt. Es war für uns sehr wichtig nach der langen Winterpause und dem kurzen Auftritt letztes Jahr wieder ein bisschen Diesel zu schnuppern und zu sehen, dass wir alle wieder total motiviert sind. Wir freuen uns jetzt auf das erste Rennen.

Schrauben Sie auch selber am Rennfahrzeug?

Ja natürlich! Vor allem Dinge wie den Motor machen wir immer in einer kleinen Gruppe zusammen, damit sehr wenig Know-how nach außen geht. Wir haben sehr viel Wissen über die neueste Technik. Das ist der erste Scania Rennmotor, der in der Europameisterschaft im Einsatz ist. Das Steuergerät ist eine komplett eigenentwickelte Komponente. Die habe ich natürlich nicht alleine entwickelt, sondern das Team. Wir haben Top-Leute, die voll dabei sind, was die Elektrik, Ansteuerung und so weiter betrifft.

Die Technik ist dann wahrscheinlich genauso wichtig wie der Rennfahrer an sich, oder?

Ja, das kann man genau so sehen. Im Endeffekt ist eigentlich jeder Baustein wichtig. Selbst die Terminabsprache, um sich auf Dinge vorzubereiten. Wir arbeiten zurzeit jeden Tag bis 20:00 oder 22:00 Uhr, teilweise noch später. Dabei haben die Jungs noch einen normalen Vollzeitjob im Büro und den Truck als Hobby. Es ist sehr viel Arbeit, die man einfach nicht sieht, zum Beispiel Fehlkoordination. Die verbauten Teile sind entweder selbst gebaut, komplett aus Stahl oder Alu, selber gedreht, gefräst oder zusammengeschweißt oder auch entwickelt und angepasst. Die gekauften Teile müssen wir aus ganz Deutschland zusammensuchen und das ist natürlich auch nicht so einfach. Manchmal fahren wir in der Woche bis zu 2.000 km, um die Teile zu organisieren.

Wie sind Sie zum Rennsport gekommen?

Da gab es eine Ausschreibung: „Seat und Sat1 suchen Rennfahrer“ und da hat meine Schwester mich dann angemeldet, weil sie meinte, ich hätte Talent für Motorsport. Bei einem Kart-Rennen kam ich unter die Top-3 und habe mich qualifiziert.

Das war wie bei DSDS nur auf Motorsportbasis.

Das habe ich damals gewonnen. Deswegen durfte ich als VIP-Fahrer bei Beru-Top-Ten mitfahren. Das war ein Seat-Cup mit ungefähr 30 Fahrzeugen und ich konnte mich da in den ersten Rennen schon unter den besten Zehn zeigen. Der Chef von SEAT meinte, es wäre vergeudet, wenn ich nicht irgendwas mit Motorsport machen würde. Er gab mir die Möglichkeit im VW-Polo-Cup, ohne dass ich mich bewerben muss, anzufangen. Dafür brauchte ich aber Sponsoren. Meine ganze Familie hat mich daraufhin unterstützt, damit ich da mitfahren konnte. So hat das Ganze begonnen. Ich bin dann wieder auf den Chef von Seat zugegangen, weil ich etwas Schnelleres fahren wollte. Er hat mir dann das 24h-Rennen am Nürburgring vorgeschlagen. Dort habe ich meinen Teamkollegen kennengelernt, der das nur aus Spaß gemacht hat. Bei mir war der Ehrgeiz ein bisschen größer. Das hat er auch gespürt und mir deshalb seine Rennzeit gelassen.

Danach war ich immer total fertig, weil es teilweise im Auto zwischen 60 bis 70 Grad heiß werden kann.

Das war die Anfangszeit. Ich hatte dann zwei schwere Unfälle und habe mich dann wieder einen bisschen zurückgezogen, weil die Zeit, die ich im Auto saß, zu viel war. Nichtsdestotrotz sind wir in dem Jahr Meister in unserer Klasse geworden. Dieser Meistertitel hat dann wieder die Motivation gebracht weiterzugehen.

2017 habe ich meinen alten Freund Jochen Hahn getroffen, mit dem ich 2007 eine Wette am Laufen hatte, dass ich gerne mal mit so einem Renntruck fahren möchte. Er hat mir versprochen, dass er das mit mir macht. Daran habe ich ihn erinnert und er hat mir auf dem Nürburgring einen Iveco-Truck organisiert. Das war das erste Mal, dass ich in so einem Renntruck drinsaß. Das hat mir richtig viel Spaß gemacht. Obwohl von den Rennen eins abgesagt wurde, weil die Strecke voll mit Diesel war, konnte ich einen guten Eindruck hinterlassen.

Haben Sie Traditionen vor einem Rennen?

Eigentlich bleibt da wenig Zeit für, weil es sehr kurze Abstände sind zwischen Schrauben und Rennen. Normalerweise ist es so, dass einer seine Musik laufen lässt und einen Countdown runterzählt. Andere Fahrer setzen sich schon früher ins Auto und bereiten sich vor. Ich komme aus der Technik und befasse mich vorher noch mit dem Fahrzeug.

Das Adrenalin ist bei Ihnen wahrscheinlich auch sehr hoch, oder? Sie sind bestimmt unter Strom beim Fahren.

Nur beim Start eigentlich. Meistens höre ich nicht mal was mir über Funk gesagt wird, weil ich so fokussiert bin. Wenn ich den Helm aufziehe ist das direkt eine andere Perspektive, mir geht nichts Anderes mehr durch den Kopf. Es gibt nichts anders, nur das Rennen. Ich möchte dann alles rausholen was möglich ist und denke nicht darüber nach, dass ich mich jetzt verletzen könnte. In der Startphase ist das Adrenalin am höchsten, weil wir da die Startformation aufnehmen. Es stehen immer zwei Trucks eng nebeneinander und dann fahren wir mit maximal 70 km/h auf die Start-Ziellinie zu. Nur die ersten zwei Trucks sehen die Ampel, die anderen nicht, weil davor die Fahrerhäuser sind und dann haben wir nur den Funk und sind so konzentriert. Ich bremse dann und gebe gleichzeitig Vollgas damit ich auf 70 km/h bleibe und sobald das GO kommt gehe ich von der Bremse runter und der Truck zieht los wie ein Katapult. Da hat man nichts anderes im Kopf und wartet nur darauf, dass es endlich losgeht. Danach muss man dann immer gucken, wo man am besten fährt, damit kein anderer einen trifft und man selbst niemanden trifft. Das ist vielleicht ein Aberglaube, aber wir sagen immer, wenn wir Dinge nicht ansprechen, dann passieren sie auch nicht. Ich würde auch niemals sagen ich bin der Beste. Ich sage immer, dass wir gucken was passiert, weil so viele Fehler passieren können.

Welches Ziel haben Sie sich für diese Saison gesetzt?

Ich möchte mindestens den Goodyear Cup gewinnen. Letztes Jahr waren wir schon vorne mit dabei, da hatten wir ein mega Event-Cup. Wir haben aber auch viel dazu gelernt, weil wir trotz einen Motorschaden richtig gute Rennen hatten. Wir konnten mit Platz zwei starten und Platz zwei halten. Es war für uns sehr positiv so weit vorne zufahren. Je weniger wir jetzt fahren können, umso weniger Erfahrungen sammeln wir. Das Fahren und Einstellen auf den Scania-Renntruck ist ganz anders. Wir haben ganz andere Verfahren, als vorher in dem Mercedes. Wir machen viel mehr mit dem Fahrwerk.

Was fahren Sie privat für ein Auto?

Einen Mini Cooper, der getunt ist. Also ein Spaß-Auto. Ich bin aber schon viele Autos gefahren und habe mich da nicht auf eins spezialisiert. Momentan fahre ich auch von Mercedes die V-Klasse, wenn wir auf Rennen fahren. Ansonsten fahre ich gerne Truck.

Herr Faas, vielen herzlichen Dank für dieses Gespräch!